Gerhard Grueber has denied the report in Der Spiegel, which was quoted on this blog. The former vicar general of the diocese of Munich and Freissing says that it was his decision to allow the priest to work in the diocese. He did not discuss the issue with the then archbishop, Josef Ratzinger. Below is the piece from today's Suddeutsche Zeitung.
Ex-Generalvikar wehrt sich
München - Der ehemalige Generalvikar des Münchner Erzbistums, Gerhard Gruber, hat gegenüber der Süddeutschen Zeitung Berichten widersprochen, wonach ihn das Erzbistum gedrängt habe, die Verantwortung für den Einsatz des pädophilen Priesters H. auf sich zu nehmen, um den heutigen Papst Benedikt XVI. aus der Schusslinie zu nehmen. Es sei tatsächlich seine Entscheidung gewesen, H. im Jahr 1980 in einer Gemeinde einzusetzen; er habe sie gemeinsam mit dem inzwischen verstorbenen Personalreferenten Friedrich Fahr getroffen, aber nicht mit Erzbischof Joseph Ratzinger besprochen. Auslöser für die Berichte ist offenbar ein Rundbrief, den zwei Freunde Grubers verschickt haben. Gruber sagt, er habe mit einem Freund telefoniert, der Inhalte des Gesprächs "wohlmeinend, aber unglücklich" weiterverbreitet habe. Der Brief enthalte "Ungenauigkeiten und gravierende Falschmeldungen". Er habe dem Freund zu verstehen gegeben, dass er unter Zeitdruck gestanden habe. Aber weder sei ihm ein vorgefertigtes Schriftstück zur Unterzeichnung vorgelegt worden noch sei er ins Erzbischöfliche Ordinariat zitiert worden. mai
Frau Heimbach-Steins, der Regensburger Bischof Gerhard Müller will im Missbrauchsskandal eine mit Goebbels´ Hetze vergleichbare Medienkampagne gegen die katholische Kirche ausgemacht haben.
Die Behauptung einer Kampagne lenkt vom eigentlichen Problem ab. Es geht nicht an, den Feuermelder zum Brandstifter zu machen. Und indem Bischof Müller die Gläubigen dann auch noch zum "Widerstand" aufruft, verschiebt er die moralische Verantwortung ein zweites Mal: Unbeteiligte werden funktionalisiert, um vom Versagen einer Vielzahl kirchlicher Amtsträger abzulenken. Ich halte das für demagogisch.
Die Kirche hat sich schuldig und damit angreifbar gemacht. Darüber sollte nichts hinwegtäuschen - weder abgeschmackte Nazi-Vergleiche noch Versuche, die "säkulare Gesellschaft" oder die 68er für Missbrauch verantwortlich zu machen.
Wie Bischof Mixa aus Augsburg das getan hat.
Die Position führt auf eine falsche Fährte, als ob ein veränderter - und weniger verklemmter - Umgang mit Sexualität zur Pädophilie geführt hätte. Ich halte das Argument aber auch für moralisch fragwürdig, weil es wiederum den Eindruck erweckt, die Verantwortung auf andere abzuwälzen.
Ab welchem Umfang wird das Versagen Einzelner eigentlich zu einem Versagen des Systems?
Das ist kein quantitatives Problem. Die Verantwortung der Einzelnen ist nicht "abzulösen" durch den Verweis auf das System. Aber die christliche Ethik kennt neben dem schuldhaften Verhalten des Individuums auch die "strukturelle Sünde". Und im Fall des Umgangs mit Missbrauchsfällen zeigt sich meiner Ansicht nach so etwas auch in der Kirche als Institution.
Inwiefern?
Viel zu lange wurde der Selbstschutz der Kirche über alles andere gestellt. Das hat in der Praxis dazu geführt, dass Vergehen geheim gehalten wurden, die veröffentlicht gehört hätten; dass Opfer nicht gehört und anerkannt wurden, dass Täter nicht konsequent aus der Gefahrenzone herausgeholt wurden. Ich habe immer noch den Eindruck, dass die beschwichtigende Rede von - wenn auch vielen - Einzelfällen die Auseinandersetzung mit dem Strukturproblem verhindert. Selbst im Brief des Papstes an die irische Kirche ist das so.